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DER BOMBENKRIEG GEGEN DIE ZIVILBEVÖLKERUNG IN DEUTSCHLAND

 

  1. Der jüdische Holocaust:

Zuerst ein paar Worte zu dem Holocaust an den Juden.

Wenn zwei Länder einen Krieg miteinander beginnen, ist es üblich, dass die Bürger des gegnerischen Landes, die sich gerade im eigenen Land befinden, verhaftet und in ein Internierungslager gesteckt werden.  So wurden Deutsche und Japaner im zweiten Weltkrieg in den USA während der ganzen Kriegszeit interniert.  Genauso wurden deutsche Bürger in Südafrika, Australien, Namibia und vielen anderen Ländern, die mit Deutschland im Krieg waren, in Internierungslager gesperrt.  Das gleiche tat man mit allen anderen Leuten von denen man glaubte, dass sie nicht genügend Staatstreue zu dem Land haben und wohlmöglich intern die Kriegsanstrengungen des Landes untergraben könnten.  Es war eine verständliche Maßnahme zur Stabilisierung der inneren Sicherheit.

Im national-sozialistisch regierten Deutschland hatte man seit der Machtergreifung durch Hitler im Jahre 1933 durch interne Propaganda immer mehr alle Juden im Land als interne Feinde des Regimes angeprangert. Als sich nun der Krieg abzeichnete, hatte sich die NS Regierung dazu entschieden – da sie mit der Landestreue der Juden im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung sicher nicht rechnen konnte – sie vorsichtshalber in Internierungslagern einzusperren, um sie so unter Kontrolle zu haben.  Das erklärt vielleicht warum die deutsche Bevölkerung selbst die Verhaftung der Juden aus ihren Reihen und Freundeskreisen stillschweigend geduldet hat.  Allerdings war zu dem Zeitpunkt, als man begann die Juden zu verhaften und abzuführen, die totalitäre Macht des Staates schon so ausgeprägt, dass jeder, der es gewagt hätte öffentlich gegen die Verhaftung der Juden vorzugehen damit rechnen musste, selbst auch ohne Gerichtsverfahren weggeschlossen zu werden.

Man kann also noch ein gewisses Verständnis dafür aufbringen, dass der NS- Staat, als Konsequenz dieses durch Propaganda erzeugten Feindbildes des Juden etwas tun musste um diese angeblichen inneren Feinde sicherzustellen.

Als aber in den späteren Kriegsjahren (1942/1943) den Judenhassern in der Elite des Regimes die Verwahrung der Juden in den Internierungslagern (KZs) nicht mehr genügte und sie die “Endlösung”, nämlich die Tötung der Juden in den Konzentrationslagern propagierte und die organisatorische Umsetzung in die Wege leitete, wurde, was zuerst als Sicherheitsmaßnahme konzipiert wurde, nun zu einem skrupellosen Verbrechen von gigantischem Ausmaß. 

Die in die Konzentrationslager überführten Juden waren alle völlig unschuldige Menschen; Männer, Frauen und Kinder.  Es gab keinerlei Verbrechen, Verrat oder andere Taten zur Unterminierung der Staatsgewalt, sie waren ohne jegliches Gerichtsverfahren in die Konzentrationslager gesperrt worden, einzig und alleine, weil sie Juden waren, und sollten nun dort ermordet werden, nur weil sie Juden waren.  Diese Tatsache, dass man unschuldige Menschen getötet hat, nur weil sie einer bestimmten ethnischen Gruppe angehörten macht die Tötung der Juden in den KZs (und auch anderswo) zu einer der schändlichsten und größten Verbrechen der Geschichte, die unter der Bezeichnung „Holocaust” bekannt wurde und an die man sich zu Recht immer wieder mit Gedenkfeierlichkeiten und Mahnmalen erinnert.

 

  1. Der italienische Vorfall:

Ursprünglich war Italien ein Partner Deutschlands im zweiten Weltkrieg.  Gegen Ende des Krieges wurde der italienische Führer, Mussolini, abgesetzt und Italien versuchte einen separaten Frieden mit den Alliierten zu machen und sich von Deutschland zu trennen.  Als Deutschland diese Entwicklung kommen sah, hat es sofort auf allen Gebieten die Kontrolle über ganz Italien übernommen. So kam es, dass in einem nord-italienischen Dorf ein deutsches Bataillon die Kontrolle eines Städtchens übernahm.  Kurz danach wurden zwei Soldaten von italienischen Partisanen erschossen.  Der Offizier des deutschen Bataillons forderte den Bürgermeister und den Stadtrat auf, die Partisanen, die die Soldaten ermordet haben, zu verhaften und ihm zu übergeben, damit er sie vor ein Gericht stellen kann.  Der Bürgermeister und sein Stadtrat weigerten sich die Partisanen zu ermitteln und zu übergeben.  Daraufhin drohte der Offizier dem Bürgermeister und dem Stadtrat mit einem Ultimatum und sagte, dass er 10 willkürlich ausgewählte Bürger der Stadt von einem Schießkommando erschießen lassen wird, wenn bis zu einem bestimmten Datum und Uhrzeit die schuldigen Partisanen nicht übergeben werden.  Er musste ja seinen Soldaten gegenüber zeigen, dass er das Töten der Soldaten aus dem Hinterhalt nicht akzeptiert.  Der Bürgermeister und sein Rat weigerten sich die Partisanen zu übergeben oder zu verraten, worauf der Offizier 10 willkürlich ausgewählte Personen aus der Bevölkerung verhaften, und von einem Schießkommando erschießen ließ. 

Später wurde der Offizier vor ein Kriegsgericht der Siegermächte gestellt.  Seine Verteidigung, dass die Partisanen ja durch die illegale Handlung des Tötens zweier Soldaten aus dem Hinterhalt angefangen hätten, wurde als Verteidigungsgrund nicht akzeptiert.  Das geltende Prinzip war, dass auch im Krieg unschuldige und an der Tat unbeteiligte Zivilisten nicht getötet werden durften.  Der Offizier wurde als Kriegsverbrecher verurteilt.  Dasselbe Prinzip gilt auch, wenn die Zivilbevölkerung einer Stadt bombardiert wird, denn auch da tötet man unschuldige und an der Tat (Kriegsführung) unbeteiligte Zivilisten und alle, die solch eine Bombardierung befehlen oder ausführen, sind genauso Kriegsverbrecher wie jener deutsche Offizier in Italien.

 

  1. Definitionen:

3.1       Mord:

Eine Person, die eine andere Person mit der Absicht sie zu töten tötet, ist des Mordes schuldig.  Wenn der Täter unter solchen Umständen tötet, die ergeben, dass er ohne Zweifel wusste, dass seine Handlung zum Tode einer Person führen würde und er trotzdem die Tat begeht, ist er auch des Mordes schuldig, selbst wenn er die getötete Person nicht gekannt hat und noch nie gesehen hat.  Ein typisches Beispiel für diese Konstellation ist, wenn der Täter eine Bombe in eine Menschenmenge wirft und sie zum explodieren bringt, denn ist es zu erwarten, dass einige Menschen in der Menge von der explodierten Bombe  getötet werden.  Auch wenn der Täter die Bombe irgendwo an einem Platz versteckt von dem er weiß, dass sich dort zu einem bestimmten Zeitpunkt viele Menschen befinden werden und er, ohne selbst in der Nähe zu sein, diese Bombe zündet und zum explodieren bringt und dabei Menschen getötet werden, ist er des Mordes an diesen Menschen schuldig weil er die todbringende Bombe mit Absicht zündete, dass er damit einige ihm unbekannte Personen in den Tod schicken wird. So zum Beispiel sind die zwei Bombenleger an der Ziellinie des Boston Marathons eindeutig schuldig an Mord.  Dasselbe gilt für Terroristen, die Autobomben in Stadtzentren einsetzen und dabei genau wissen, dass ihre Tat viele unschuldige Menschen tötet. 

Es gibt Ausnahmen zu diesem Grundsatz:  im Kriegsfall darf man auf den Feind schießen mit der Absicht ihn zu töten, aber dann muss die andere Person tatsächlich ein Feind in einer Kampfhandlung sein.  Auch im Krieg darf man keine unschuldigen Zivilisten, die nicht an einer Kampfhandlung teilnehmen oder teilgenommen haben, töten.  Wer trotzdem Zivilisten, die nicht in irgendeiner Form am Kampfgeschehen teilhaben, tötet, ist des Mordes schuldig und müsste dementsprechend vor ein Kriegsgericht gestellt und als Kriegsverbrecher verurteilt werden.

 

3.2       Terrorismus:

Wenn ein Mensch, eine Gruppe oder ein Land unschuldige und unbeteiligte Menschen in Gefangenschaft nimmt, foltert oder tötet und sich erhofft dadurch eine Reaktion bei anderen Menschen, an die sie nicht direkt herankommt, zu erwirken, dann ist das Terrorismus.  Das beste Beispiel einer solchen Aktion ist die Tat der Al Qaida Anhänger, als sie am 9.11.2001  Flugzeuge in das World Trade Center in New York flogen und dadurch tausende Menschen töteten.  Das Töten dieser unschuldigen Menschen sollte eine Warnung an die amerikanischen Politiker sein – die Einmischung ihres Landes (USA) in die Angelegenheiten der arabischen Ländern zu unterlassen.  In allen Ländern ist ein jeder solcher terroristischer Akt ein sehr ernstes Verbrechen, auf das meist die Todesstrafe steht. 

 

  1. Der Bombenkrieg über Deutschland

Die meisten fachlichen Informationen, die ich in diesem Artikel verwende, habe ich dem Buch

 

Der Bombenkrieg: Europa 1939 – 1945

des englischen Historikers, Richard Overy, entnommen.  Das Buch ist sicher die umfassendste historische Veröffentlichung über den Bombenkrieg in Europa.  Die deutsche Übersetzung ist 2014 im Rowohlt Verlag erschienen. Die Originalfassung in englischer Sprache erschien 2013 im Verlag Allen Lane in London.  Beim Lesen dieses Buches erkennt man sofort, dass es keinen Zweifel daran gibt, dass der Autor fundierte Nachforschungen gemacht hat, um das Thema objektiv und vorurteilslos von allen Seiten zu beleuchten. Dabei hat er offensichtlich viele neue Quellen mit einbezogen, die erst jetzt den Historikern zur Verfügung stehen.  Ich möchte hiermit Herrn Richard Overy meinen ausdrücklichen Dank aussprechen, dass er keine Mühen und Arbeit gescheut hat dieses umfassende Werk vorzulegen, insbesondere auch deshalb weil man sofort erkennt, dass er eine absolut objektive Haltung zu allen Fassetten des Themas zeigt. Das erkennt man daran, dass er durchaus auch die Fakten bringt, die die deutsche Kriegsführung und selbst Hitler, auch wenn es zum Thema gehört, in einem positiven Licht erscheinen lässt; etwas was man in den von deutschen Historikern geschriebenen Publikationen oder Fernsehberichterstattungen (Guido Knopp) nicht vorfindet.  So zum Beispiel berichtet Overy:

 

  1. Am 31. März 1936 machte Hitler „einen Appell an Großbritannien und Frankreich, eine Ächtung des Bombenkrieges zu erwägen.“  Dieser Appell war Teil eines Friedensplanes, den er beiden Mächten am 31. März 1936 unterbreitete

    Hitlers Vorschläge umfassten ein Abkommen zur Ächtung von Gas, Gift und Brandbomben und ein Verbot jeglicher Bombardierung von offenen Ortschaften außerhalb der Reichweite der mittelschweren Artillerie der kämpfenden Front”  (Seite 61)

  2. Beim historischen Treffen mit Neville Chamberlain am 30. September 1938 unmittelbar nach der Unterzeichnung des „Münchner Abkommens” legte Hitler in seiner Wohnung noch einmal dar, dass er die Vorstellung Frauen und Kinder zu bombardieren abscheulich fand.  (Seite 62)
  3.  „Die Luftwaffendienstvorschrift von 1935 schloss den Einsatz von Flugzeugen zu Terrorbombardements auf Städte aus und befürwortete Bombenangriffe tief im Rücken des Feindes auf Depots, Nachschubeinrichtungen und Truppenkonzentrationen.“ (Seite 79)
  4.  „In den ersten Kriegsjahren …..weigerte sich Hitler „Terrorangriffe” zu genehmigen und wies entsprechende Gesuche des Generalstabs der Luftwaffe stets zurück“ (Seite 100)
  5. Über die Luftkriegsführung:  „Angriffe auf die Moral des Gegners oder Wohnbezirke fanden sich nicht in der Liste der Ziele“  (Seite 101)
  6. Über die Luftangriffe aus Warschau:  „Als General-Major Wolfram von Richthofen, Fliegerführer z.b.V…..um die Genehmigung bat, das gesamte Stadtgebiet mit Vernichtungangriffen zu überziehen, holte er sich bei General-Major Hans Jeschonnek, dem Generalstabchef der Luftwaffe eine Abfuhr (Seite 105). 
  7. Auf Seite 107 schreibt Richard Overy:  „Es bleibt die Tatsache bestehen, dass der Luftkrieg in Polen beispielhaft für einen taktischen Luftkrieg steht bei dem die Luftstreitkräfte dem Landkrieg dienten, in den sie (mit hoher Fehlerquote) militärische, industrielle und infrastrukturelle Ziele angriffen.  Ein Exempel für rücksichtslosen Douhetismus bietet er nicht.“
  8. Der Bombenkrieg bezüglich anderer Städte:  Es wurden Warnzettel abgeworfen und die Verwaltung der Stadt aufgefordert sich zu ergeben um die Zerstörung durch Bomben zu vermeiden.  Dadurch blieben viele Städte im Frankreichfeldzug von einer Bombardierung verschont.  (Seite 108 – 111)

 

Das sind nur einige Beispiele über die der Autor berichtet und auch zum Ausdruck bringt, dass die deutsche Kriegsführung durchaus einen fairen Krieg führte und versuchte die Zivilbevölkerung, und bei historischen Gebäuden und Städten so viel wie möglich Schaden und Leid zu vermeiden.

Wenn man sich als Deutscher über die Geschichte der  letzten 100 Jahre in Europa informieren will, ist es empfehlenswert sich an englischen Historikern und Autoren zu orientieren.  Die sind meiner Meinung nach viel objektiver und präsentieren in ihrer Geschichtsschreibung ein ausgeglichenes Bild.  Deutsche Autoren sind durch das in Deutschland erzwungene Dogma, das jeden, bei einer Gefängnisstrafe von bis zu 5 Jahren, verbietet eine andere Darlegung der Dinge zu veröffentlichen als die, die vom Dogma vorgeschrieben wird sehr eingeschränkt und können daher zu gewissen Themen nicht die ganze Wahrheit berichten.  Es ist wie im Mittelalter, jeder der was sagt, was dem Dogma der Kirche wiederspricht, kommt gleich auf den Scheiterhaufen.  Solche Gesetze, die die Meinungsfreiheit sehr beschränken, gibt es in England und in den USA nicht. Daher wird man dort als Geschichtswissenschaftlicher nicht durch Strafdrohungen eingeengt und ist frei zu schreiben und über das zu forschen, was man für richtig hält.

 

  1. BOMBENABWURF AUF DIE ZIVILBEVÖLKERUNG: EIN KRIEGSVERBRECHEN

Ist der Abwurf von Bomben auf die Zivilbevölkerung ein Kriegsverbrechen?

In den „Haager Luftkriegsregeln”, die von einem auf der Washingtoner Abrüstungskonferenz 1922 eingesetzten, internationalen Juristenausschuss, 1923 erarbeitet wurden, wurden folgende Regeln aufgestellt:

  1. Artikel 22 verbot jeden Bombenangriff, der in voller Absicht auf die Vernichtung zivilen Eigentums oder die Tötung von Nichtkombattanten zum Ziel hatte.
  2. Artikel 24 beschränkt Bombenangriffe auf bekannte und identifizierbare militärische Ziele und gestattete ausschließlich die Bombardierung von Zielen, die sich „in unmittelbarer Nähe der kämpfenden Landtruppen” befinden (Seite 58).

 

Im März 1938 machte Chamberlain in England eine Regierungserklärung vor dem Unterhaus in der er „das direkte und vorsätzliche Bombardieren von Nichtkombattanten in Spanien als gesetzeswidrigen Akt verurteilte (Seite 66).  Noch im Juli 1938 entschied ein Ausschuss „das vorsätzliche Bombardieren von Zivilisten sei illegal”.  Im August 1939 bestimmte das Luftfahrtministerium in England, dass Angriffe auf Ziele, die wegen Bewölkung oder Dunkelheit nur schwer zu erkennen waren, illegal sind.  Das gleiche treffe auf jede Operation zu, die sich gegen Zivilisten, Hospitäler, Kulturdenkmäler oder historische Stätten richtete.  Es wurde ebenfalls festgelegt, „dass es eindeutig illegal ist, ein bewohntes Gebiet zu bombardieren in der Hoffnung ein legitimes Ziel zu treffen”.  (Seite 342).  Zu der Zeit hatten die Engländer offensichtlich noch eine faire Einstellung zur Kriegsführung.  Noch im April 1940 erklärte Englands Luftfahrtminister, Sir Samuel Hoare, in einer Rundfunkansprache „wir werden keine offenen Städte bombardieren, wir werden nicht versuchen die Deutschen durch Terrorangriffe auf ihre Frauen und Kinder zu besiegen”.  (Seite 360). 

In den Jahren 1923 – 1938 bestand somit in Europa und in England die Grundauffassung, dass die Bombardierung der Zivilbevölkerung des Gegners im Kriegsfall unrechtmäßig war und dementsprechend solche Bombardierungen als Kriegsverbrechen einzuschätzen sind.  Obwohl die deutsche Luftwaffe keine zivilen Wohngebiete absichtlich bombardierte, wurden die deutschen Bombardierungen in den britischen Kriegsberichten als „einzigartiges Beispiel ruchlosen Verhaltens” und als „Mordlust wie sie die Christenheit noch nie  gesehen hat”, beschrieben.   

Selbst wenn man den Auftrag hat militärische Ziele, Rüstungsfabriken oder andere für den Kriegseinsatz wichtige Industrien zu bombardieren, kann es natürlich immer passieren, dass Piloten die Ziele, aus großer Höhe in der Luft, nicht richtig erkennen können und dann schon mal die Bomben auf ein anderes Gebiet abwerfen; so kann auch schon mal eine ganze Bombenlast auf ein von der Zivilbevölkerung bewohntes Gebiet abgeworfen werden wodurch dann viele Zivilisten durch den Bombeneinsatz getötet werden.  In diesem Artikel geht es nicht um dieses Szenario in dem Zivilisten durch so einen versehentlich falsch gezielten Bombeneinsatz getötet wurden.  In so einem Fall hatten die Befehlshaber und die ausführenden Piloten nicht die Absicht zivile Nichtkombattanten mittels einer Bombardierung zu töten.   Man kann höchstens sagen, dass sie nachlässig waren. Es handelt sich also nicht um Mord sondern um Totschlag, also ein Töten wie bei einem Autounfall.

Es gibt sicher auch Fälle in denen ein Bombenpilot sich aus einer Notsituation von seiner Bombenlast trennen muss und die Bomben einfach abwirft nur um sie los zu werden und dabei eben auch einige dieser Bomben Häuser der Zivilbevölkerung treffen können.  Auch hier gibt es keine Absicht zu töten und daher sind solche wie gerade beschriebenen Vorfälle von denen, die ich in dieser Abhandlung als kriminelle Kriegsverbrechen bezeichne, zu unterscheiden.

 

  1. DER HOLOCAUST

Auf den Seiten 344 (Kapitel 5:  Die Samthandschuhe ausziehen) bis Seite 593 (Sichtung des Trümmerfelds 1945) beschreibt der Autor Richard Overy im Detail die Entwicklung der Einstellung der englischen und amerikanischen politischen und militärischen Elite zum Konzept des „totalen Bombenkrieges”. In diesem sollten militärische und wirtschaftliche Ziele in deutschen Städten bombardiert werden, ungeachtet ob dabei auch erhebliche Vernichtung von zivilen Gebäuden und Menschen entstehen, bis hin zu dem Konzept in dem es zur ausdrücklichen Absicht wurde, die deutsche Zivilbevölkerung zu töten und ihre Wohnhäuser und historischen Kulturstätten zu vernichten.  Die hier folgenden zusammen gefassten Berichte habe ich seinem Buch entnommen:

Auf Seite 350 schreibt Overy über den ersten Schritt zum neuen Konzept:  „Chamberlain war stets gegen die Bombardierung städtischer Ziele gewesen, Churchill dagegen kannte keine Vorbehalte aus Gewissensgründen oder rechtlichen Erwägungen”.  Zu den ersten Problemen, die von Churchills neuem Kriegskabinett am 12. Mai erörtert wurden, gehörte die Frage welche Wirkung sich mit einem „uneingeschränktem Luftkrieg” erzielen lasse.  Man war sich darüber einig, dass die Royal Air Force nicht länger durch moralische oder rechtliche Bedenken von Bombenangriffen abgehalten werden sollte”.  (Seite 350). 

Am 4. Juni 1940 gab das Luftfahrtministerium in England neue Leitlinien für das Bomberkommando heraus, die besagten, dass „Verluste unter der Zivilbevölkerung „in Kauf genommen” werden konnten solange sie verhältnismäßig blieben“.  Die vorsätzliche Tötung von Zivilpersonen wurde aber nach wie vor als eine Verletzung des Kriegsvölkerrechts angesehen (Seite 352).  Bereits am 30. Oktober 1940 erhielt das Bomberkommando die Anweisung „schwere materielle Schäden in Großstädten anzurichten” um damit die „Feindmoral zu untergraben”.  Das war der erste Schritt in die Richtung den Bombenkrieg als Terrorwaffe gegen die Zivilbevölkerung umzugestalten.  Im August 1942 wurde die Instruktion zu Bombenangriffen auf „Industriearbeiter” bereits in dem Entwurf einer Dienstanweisung aufgenommen.  Im Jahr 1941 ging man einen Schritt weiter und definierte die deutsche Arbeiterschaft als „Produktionsfaktor” der deshalb durch die Bombardierung vernichtet werden müsste. Somit wurde es zur Planung, Bombenangriffe besonders auf die Arbeiterviertel in deutschen Städten durchzuführen.  Auf Seite 373 schreibt der Autor Overy „Halten wir fest, dass die Tötung deutscher Arbeiter und die Zerstörung ihrer Wohnviertel geplant war und nicht etwa als unbeabsichtigte Folge der Bombardements auf Fabriken in Kauf genommen wurden”.  Im November 1940 wurde in einem höchst wahrscheinlich von Harris verfassten Memorandum die Frage gestellt, ob es nicht an der Zeit sei mit allen verfügbaren Kräften „gegen die Menschen selbst“ vorzugehen….Im Juni genehmigten die Stabschefs schließlich Angriffe auf die Moral, die die Angst vor Tod und Verstümmelung schüren sollte.  Der Begriff des „Kollateralschadens” wurde auf den Kopf gestellt.  Der Tod von Arbeitern und die Zerstörung ihrer Behausung waren nicht lediglich eine Nebenwirkung der Bombardierung von Fabriken sondern die Zerstörung von Fabriken galt als Kollateralschaden der Vernichtung von Arbeitervierteln.  (Seite 373 – 374). 

Damit wird deutlich, dass die politische und militärische Elite in England die Absicht hatte, die unschuldige, nicht kämpfende deutsche Zivilbevölkerung zu töten, damit war ganz eindeutig der Tatbestand des Kriegsverbrechens erreicht.

Autor Overy beschreibt ausführlich, wie wissenschaftliche Methoden eingesetzt wurden um zu ergründen wie man am besten nach deutschen Plänen gebaute Häuser total vernichten kann, um die Menschen die darin wohnen, mit entsprechend konstruierten Brand- und Sprengbomben zu vernichten.

Sir Arthur Harris war der Oberbefehlshaber des britischen Bomberkommandos, er war ein Deutschenhasser.  Er setzte sich für einen umfangreichen Luftkrieg gegen städtische Wohngebiete ein, nahm die dadurch bedingt hohe Anzahl ziviler Todesopfer billigend in Kauf, was sogar dazu führte, dass er – wie Overy schreibt – an diesem tödlichen Einsatz, wie er ihn nannte, auch noch gefallen fand (Seite 412).  Er sah den Tod ganz gewöhnlicher Menschen in Deutschland als ein Ziel des Bombeneinsatzes an sich:  1942 schrieb er den berüchtigten Satz „wir müssen noch ein Menge Boches (Deutsche) umbringen bevor wir den Krieg gewinnen.”  Overy schreibt auf Seite 412:  „In den Jahren 1943 und 1944 versuchte er, das Luftfahrtministerium zu der unmissverständlichen Aussage zu bewegen, dass „das Töten des deutschen Volkes die eigentliche Aufgabe seines Kommandos sei”…. Er vertrat die Überzeugung dass es in einem totalen Krieg keine ethischen Einwände gegen die Tötung der Zivilbevölkerung gebe.  Damit stand er damals nicht allein.

Mit anderen Worten, hatte der oberste Befehlshaber des britischen Bombenkommandos die Absicht bestätigt die Bomber dafür einzusetzen, ohne Beschränkung die unschuldigen, im Kriegseinsatz nicht-kämpfende deutsche Zivilbevölkerung, die zu der Zeit aus Frauen, Kindern und alten Leuten bestand, zu töten nur weil sie Deutsche sind, genauso also wie das deutsche Naziregime beschlossen hatte, die unschuldigen Juden zu töten nur weil sie Juden sind. Wenn wir die verbrecherische Vernichtung der deutschen Zivilbevölkerung mit der verbrecherischen Vernichtung der Juden vergleichen, dann war Harris sicher der Himmler des britischen Regimes.  In beiden Fällen wurden nicht nur die Ansicht zu Ausdruck gebracht, dass man die gehassten anderen Menschen physisch vernichten muss, sondern diese Absicht wurde ja in beiden Fällen ohne moralische Skrupel in großer Perfektion durchgeführt, wobei in beiden Fällen viele andere Menschen an der Ausführung des Verbrechens aktiv teilgenommen haben und sich dabei selbst eines Verbrechens schuldig gemacht haben:  bei den Deutschen die SS-Schergen, bei den Engländern die Bombermannschaft, die zwar auch auf Befehl handelte, aber denen auch immer bewusst gewesen sein muss, dass Bomben auf zivile Wohngebiete abzuwerfen, eindeutig ein Kriegsverbrechen war.

Entsprechend des Autors Overy hatte Churchill die Einstellung und die Pläne von Harris gebilligt und in seinen eigenen Memoiren seine Rolle in der Förderung des Bombenkriegs unterschlagen.  Auf Seite 367 schreibt der Autor über Churchill:  „In der Tat hat er ja einen großen Teil des britischen Bombenkriegs und die Rolle, die er selbst dabei spielte bewusst unterschlagen”. 

Die Absicht, so viele Menschen der deutschen Zivilbevölkerung wie möglich, die in den Wohngebieten der deutschen Städte lebten, zu töten, stand ab 1943 im Vordergrund der Planung der britischen Luftkriegsführung.  Die Absicht, die deutsche Zivilbevölkerung zu vernichten, wurde von Harris und seinem  Planungsstab von 1943 – 1945 mit einer Brutalität und gnadenloser Hartnäckigkeit verfolgt, die man unter Menschen kaum für möglich hält. Ein Beispiel war die Bombardierung  von Hamburg. Der Angriff  wurde genau durchgeplant. Schon in den ersten Memoranden wurde festgehalten, dass „im Fall eines besonderen Brandbombenangriffs alle Bemühungen  auf die stark bevölkerte Stadt und Wohngebiete nördlich der Elbe begrenzt werden sollte”.  (Seite 470).  Im Winter 1941/1942 wandte man viel Mühe auf um herauszufinden wie sich mit der vorhandenen Technologie ein möglichst katastrophaler Großbrand entfachen ließ (Seite 470). Der Vorteil eines solchen Großbrandes zur effizienten Vernichtung der Zivilbevölkerung war, dass das der entfachte Feuersturm den Sauerstoff aus den Schutzkellern der Wohnhäuser wegsaugte und somit die Menschen, die in den Kellern Schutz gesucht hatten, ersticken mussten, wenn sie nicht vorher am lebendigen Leibe durch die enorme Hitze gebraten wurden.  Aus den Häusern konnten sie nicht flüchten, da die asphaltierten Straßen auch durch die Phosphor-Brandbomben zu brennen anfingen und die Menschen auf den Straßen ebenfalls durch die Brandbomben, zu lebenden Fackeln verwandelt wurden, da das vom Himmel regnende Brandphosphor am Körper und der Kleidung festklebte und auch mit Wasser nur schwer gelöscht werden konnte. 

Das Schicksal, das Harris und sein Planungsstab der in ihren Planungsziel stehenden deutschen Zivilbevölkerung zugedacht hatte, war grausamer als das was durch irgend eine andere Kriegshandlung hätte erreicht werden können.  Autor Overy schreibt (Seite 470 – 471) „Harris entschied sich am 27. Mai 1943 Hamburg als nächste Stadt das Schicksal zu bereiten, das bis dahin die Rhein / Ruhr Städte ereilt hatte.  Das Ergebnis waren eine Reihe von Luftangriffen, die treffend als Operation „Gomorrha” bezeichnet wurden und auf die höchste Zahl an Todesopfern hinausliefen.  Der Zweck der Bombardements gegen die Stäte „zielte von Anfang an darauf ab, durch unkontrollierbare Brände, so viel allgemeine Schäden und Verluste an Wohnungen, historischen Kulturstätten und Menschenleben wie möglich zu bewirken.  Der Brandbombenangriff auf Hamburg war kein Sonderfall”.

Bereits im Sommer 1942 erhielt eine Forschungseinheit „Referat RE8” den Forschungsauftrag herauszufinden, unter welchen Bedingungen ein loderndes Feuer in einen Großbrand umschlagen konnte.  Man wollte diesem Feuersturm bei allen Bombardierungen der Wohngebiete deutscher Städte erzeugen, um damit so viel der unschuldigen Zivilisten wie möglich durch diese Feuerstürme töten.  Auf einem Experimentiergelände von Port Bown in Wiltshire wurden sogar an Modellen städtischer Gebiete Windversuche unternommen, um festzustellen wie man am besten und am sichersten diese tödlichen Feuerstürme entfachen konnte.

Overy schreibt (Seite 472):

„Entscheidend war die Festlegung, welches Mischungsverhältnis und Gewicht die Bomben aufweisen mussten, um am ehesten einen unkontrollierbaren Großbrand auszulösen”.

All dieses zeigt auf, dass die britische Kriegsführung die Absicht hatte die deutsche Zivilbevölkerung in den Städten zu töten (nur weil sie Deutsche waren). Diese Absicht so effektiv und schonungslos gegen die wehrlosen, nicht kämpfenden Menschen umzusetzen ist etwa genauso zu beurteilen wie die Taten der deutschen politischen Elite des NS-Regimes, die die Absicht hatten die unschuldigen und wehrlosen Juden zu töten, nur weil sie Juden waren.  Es wurden zwar unterschiedliche Mittel zum Einsatz gebracht, die sich allerdings in der Brutalität kaum unterschieden. In beiden Fällen aber war es ein absichtliches Töten völlig unschuldiger Menschen, etwa dasselbe was wir heute noch bei von den Arabern ausgeführten, furchtbaren terroristischen Anschlägen erleben. 

Die Briten gaben sich allerdings mit der Bombardierung der Wohngebiete durch Spreng- und Brandbomben und den Feuerstürmen nicht zufrieden, sie setzten auch viel kriminelle Energie ein um eine Rettung der doch noch Überlebenden zu verhindern.  So wurden – um eine wirksame Brandbekämpfung und Rettungsaktion der durch die Bomben Verwundeten zu verhindern – Sprengbomben mit Verzögerungszünder eingesetzt, um die nach dem Bombenangriff einschreitenden deutschen Lösch- und Luftschutzkräfte zu töten oder zu verletzen.  Es wurden auch Splitterbomben mit Zündmechanismen entwickelt, die zum Beispiel durch einen Wasserstrahl ausgelöst werden konnten, und bei Explosion in ihrem Umkreis absolut tödlich wirkten.

 

Overy beschreibt den Bombenangriff auf Hamburg wie folgt (Seite 480 – 481):

„Am Abend des 27. Juli 1943 warfen 729 Maschinen ihre 2326 Tonnen Bomben geballt auf die dichtbewohnten Arbeiterviertel Hammerbrook, Borgfelde, Billwerder, Hohenfelde und Rothenburgort ab.  Die Konzentration von annähernd 1200 Tonnen Brandmunition auf einer Fläche von 5 Quadratkilometern entfachte zahlreiche Großbrände, die sich rasch zu einem brüllenden Höllenfeuer vereinigten.  Der Sauerstoffbedarf der Brände zog frische Luft mit solcher Gewalt an, dass Winde in der Nähe des Feuers Orkanstärke erreichten die Häuser zum Einsturz brachten, Bäume entwurzelte und Menschen in die Flammen riss, wo sie rasch zu Asche verbrannten oder mumifiziert wurden.  Diese Winde erzeugten Temperaturen von mehr als 800 ºC bei denen alles verbrannte was nicht Stein oder Gemäuer war.  Tausenden von Luftschutzkellern und Bunkern wurde der Sauerstoff entzogen, sodass ihre Insassen langsam an einer Kohlenmonoxid- Vergiftung starben.  In der Nacht kamen mindestens 18474 Menschen ums Leben.  Eine Fläche von 30 Quadratkilometern brannte völlig nieder.  Später  wurde die Zahl der Toten aufgrund des Angriffes auf 38975 geschätzt.“

„Das war aber noch nicht alles.  Harris Absicht die Stadt zu vernichten führte am 29./30. Juli und am 2./3. August zu zwei weiteren Großangriffen.  Erneut wurden große Wohngebiete niedergebrannt und vermutlich 9666 Menschen getötet.  In Großbritannien wurden die Angriffe auf Hamburg als großer Erfolg gefeiert.” (Seite 484)

 

Der Chef des Luftnachrichtendienstes schrieb:

„Die vollständige Vernichtung eines Wohngebietes durch Feuer ist eine ganz andere und bessere Methode.  Möge es lange so weiter gehen.” (Seite 484)

 

Mehr als 54 deutsche Städte wurden von den englischen und amerikanischen Bomben zum Teil in Schutt und Asche gelegt.  Immer wieder war es insbesondere die britische Bomberflotte, die von dem Oberbefehlshaber Harris angewiesen wurde sich auf die Zerstörung der historischen Innenstädte und die Vernichtung der Wohngebiete und die dort lebende Zivilbevölkerung zu konzentrieren.  Viele Städte wurden mehrmals angegriffen.  So zum Beispiel wurde Köln 262-mal angegriffen und war somit insgesamt 1950 Stunden der Bombardierung ausgesetzt (Spiegel Nr. 18 – 2015).  Im linksrheinischen Stadtgebiet lebten bei Kriegsende nur noch 10 000 Menschen.  Dass die britischen Befehlshaber den Befehl gaben, eine Stadt, die schon mehr als 200 mal Opfer eines Bombenangriffes war, noch weitere 62 mal zu bombardieren zeigt die grenzenlose Hassmentalität und die ausgeprägte verbrecherische Unmenschlichkeit der Verantwortlichen.

Durch die Bombardierung von Treibstoffproduktionsanlagen und Treibstoff-Vorräten, Flugzeugfabriken und Eisenbahnverkehrsverbindungen kam die Verteidigung deutscher Städte ab Oktober 1944 zum Erliegen und die Alliierten erhielten die absolute Lufthoheit über ganz Deutschland, was bedeutete, dass die Bombergeschwader fast ohne Gefahr ihr brutales Handwerk, der Bombardierung ziviler Wohngebiete, weiterführen und sogar ausdehnen konnten.  Man beschloss also (wie Overy auf Seite 563 berichtet) Angriffe in bislang unbehelligt gebliebenen Gebieten Deutschlands zu fliegen, „um die ganze Bevölkerung die Folgen der militärischen Niederlage und die Realitäten von Bombardements aus der Luft spüren zu lassen.“ Motiv dieser Entscheidung war also nicht einen militärischen Sieg zu erwirken, sondern um die unschuldigen Zivilisten zu töten und ihre  Wohnungen und Häuser zu zerstören.  Nach dem Krieg, bei einer Bewertung der Ausführung dieser Entscheidung „kam man tatsächlich zu dem Ergebnis, dass es sich um reine Strafaktionen gehandelt hatte, die weder notwendig noch moralisch zu rechtfertigen gewesen waren.“  In jedem Falle hatten diese Bombardierungen keinen militärischen Sinn.

Man muss sich ins Bewusstsein rufen, dass die in diesen “Strafaktionen” bombardierten Zivilisten nur Frauen, Kinder und alte Menschen gewesen sein konnten, die in ihren Häusern und Wohnungen lebten und mit Sehnsucht darauf hofften, dass ihre Väter, Ehemänner und erwachsenen Söhne, die an der Front als Soldaten kämpften, den Kampf überleben, und irgendwann wieder nach Hause kommen würden.  Diese Zivilisten hatten in jedem Fall keine Handhabe den Krieg zu beenden oder die politische Führung dazu zu bewegen Friedensverhandlungen anzuknüpfen.  Sie hatten auch so gut wie gar nichts tun können um einer feindlichen Armee, die vor den Toren der Stadt steht um diese einzunehmen, irgendetwas zur Verteidigung der Stadt entgegenzusetzen.  Man vergleiche die Art und Weise, wie sich die britische und amerikanische militärische Führung über die Vernichtung deutscher Städte, ziviler Wohngebiete und historischen Kulturzentren hergemacht hat, mit der Art und Weise wie die deutsche Wehrmachtsleitung bei der Übernahme von Städten vorgegangen ist: Sie haben der Verwaltung der Städte immer die Gelegenheit gegeben durch eine freiwillige Übergabe eine Bombardierung und die dadurch entstehende Beschädigung der historischen Gebäude zu vermeiden. 

Das erklärt auch, warum die von Deutschen besetzten Städte heute noch immer ihren historischen Stadtkern erhalten haben und auch keine zivil bewohnten Vorstädte vernichtet wurden.

Der Höhepunkt an Brutalität und menschlicher Verantwortungslosigkeit im Rahmen der oben beschriebenen Konzepte war die Bombardierung Dresdens und einiger anderer Städte, die vorher noch nicht bombardiert wurden.  Zu dem Angriff auf Dresden schreibt Overy (Seite 569 – 573):

„So wird erkennbar, dass der Angriff auf Dresden zu einer Reihe von Angriffen gehörte, die gegen die Städte im Osten geflogen wurden.  All diese Bombenangriffe, und nicht nur der Angriff auf Dresden, erfolgten in vollem Bewusstsein, dass diese Städte zahllose zivile Flüchtlinge aus den weiter östlichen Gebieten aufgenommen hatten und dass ihre Zerstörung nicht nur die Obdachlosigkeit verschärfen, sondern auch zu vielen Todesopfern führen musste.”

„Der Angriff auf Dresden in der Nacht zu 14.Februar 1945 wurde vom Bomber Command mit 796 Lancasters, die 2646 Tonnen Bomben (darunter 1181 Tonnen Brandbomben) geladen hatten in zwei aufeinander folgenden Wellen geflogen.  Luftabwehr konnte kaum geleistet werden…”  Wie in Hamburg bewirkten auch hier die Brandbomben wieder einen Feuersturm (Overy).  „Die Flammen verschlungen etwa 35 m² Kilometer Stadtgebiet, eine Fläche die die Zerstörung Hamburgs weit übertraf.  75 000 Wohnungen wurden zerstört.  Der Feuersturm hinterließ wie in Hamburg mumienartig zusammengeschrumpfte oder zu Asche verbrannte Leichen, sodass eine endgültige Zahl (der Toten) schwer zu bestimmen war.”  Goebbels bezifferte die Zahl der Toten in einer Presseerklärung auf 250 000 Menschen aber nach Overy hat der Polizeipräsident von Dresden die Anzahl der Toten auf 25 000,00 geschätzt.  Zusätzlich zu den beiden Angriffen vom Bomber Command hat am nächsten Tag auch noch die 8.Luftflotte (Amerikaner) einen Angriff auf die Stadt gemacht und 700 Tonnen Bomben auf die Stadt abgeworfen und am Nachmittag noch einmal 461 Tonnen.  Die einzigen militärisch relevanten Ziele in der Stadt, der große Rangierbahnhof und ein Hydrierwerk wurden nicht getroffen. 

Zehn Tage nach der Bombardierung Dresdens wurde Pforzheim angegriffen.  Aus einer Höhe von nur 2500 Mietern (sonst 6000 m) wurde die Stadt bombardiert und zu 83% vernichtet.  Wieder wurde ein Feuersturm entfacht und insgesamt 17 600 unschuldige Zivilisten getötet.  Auf die Stadt Essen wurden am 11.März 1945 von mehr als tausend Bombern 4661 Tonnen Bomben abgeworfen.  Am 16./17. März 1945 wurde die mittelalterliche Stadt Würzburg mit 1127 Tonnen Bomben zu 89% zerstört, ohne dass es dafür irgendeinen militärischen Sinn ergab.  Ebenso und ohne militärische Notwendigkeit wurden ein paar Tage vor Ende des Krieges die Städte Paderborn (27.März), Plauen (11.April) und Potsdam (14.April) durch Bomben zerstört.

Über die Zerstörung Dresdens hat das deutsche Fernsehen einen Fernsehfilm produziert und veröffentlicht, der von den Produzenten und Kritikern mit viel Lob gefeiert wurde.  Dieser Film zeigte nichts was in Dresden am 13./14. Februar 1945 wirklich geschah, er zeigt nur wie der Autor des Drehbuches seine Version der Bombennacht darstellte mit einer Handlung, von der man heute in Anbetracht der wirklichen Tatsachen nur sagen kann, dass sie seiner kranken Phantasie entspringt:  Da wird nicht gezeigt wie geschichtliche Bauwerke in der Innenstadt durch die Bomben sinnlos zerstört werden.  Es wird nicht gezeigt wie durch den Feuersturm tausende Häuser und Wohnungen vernichtet werden oder wie in den Kellern dieser Wohnhäuser die Menschen ersticken, weil das Feuer ihnen den Sauerstoff entzieht oder wie sie durch die Hitze von 800 Cº im eigenen Saft gebraten werden oder wie sie aus den Häusern flüchten wollten, dann aber durch die endlos vielen Phosphorbomben als brennende Fackel durch die Straßen gelaufen sind und am Ende nur ein kleines Häufchen Asche von ihnen übrig blieb. 

Stattdessen macht der Autor einen englischen Piloten (der doch gerade eben noch seine Ladung Bomben auf die Wohnhäuser unschuldiger Zivilisten abgeworfen hat und damit selbst zum Kriegsverbrecher geworden ist) zum Helden des Films.  Er flüchtet in die Stadt und trifft dort ein Mädchen, das nun ausgerechnet die Tochter des leitenden Chefarztes des Krankenhauses ist, das natürlich zu dem Zeitpunkt mit Verwundeten und Sterbenden  überfüllt war.  Höhepunkt des Films ist dann die Szene, in der das Mädchen mit diesem Piloten in dem Krankenhaus in einem Krankenzimmer voller stöhnender und verwundeter Opfer der Bombardierungen Sex hat.  Wie kann man sich nur ausdenken, dass in einer Stadt, die von vier Wellen von Bombern zerstört wird, jemand noch den Wunsch haben könnte, mit dem Piloten eines feindlichen Bombers ausgerechnet im Krankenhaus den Beischlaf zu begehen?  Ferner wird einem noch als weiterer makabrer Höhepunkt präsentiert, dass der Vater des Mädchens, anstatt die Vorräte schmerzlindernder Medikamente für die in seinem Krankenhaus liegenden Verwundeten einzusetzen, diese stattdessen in die Schweiz verkauft um sich so privat zu bereichern.  Das ist es auch, was ich an der heutigen intellektuellen Elite so bedauerlich finde:  wenn irgendetwas über Menschen, die in der Nazizeit irgendeine führende Position innehatten, berichtet wird, dann müssen die unbedingt irgendwie alle als Verbrecher dargestellt werden.

Das ist ein Grund, warum ich diese Ausführungen geschrieben habe, um darzustellen, dass es in den anderen Ländern, die am Krieg beteiligt waren, insbesondere in Großbritannien und in den USA auch viele Menschen in den politischen und militärischen Führungspositionen gab, die entsprechend internationalem Kriegsrecht unzweifelhaft Kriegsverbrecher sind und Befehle gegeben haben (Bombardierung von Zivilisten) und Taten zur Ausführung gebracht haben, die in ihrer Brutalität und Unmenschlichkeit deren um nichts nachstehen, was die Personen in ähnlichen Stellungen in Deutschland getan haben. 

Tatsächlich ist jeder Bombenpilot und seine ganze Mannschaft an einem Kriegsverbrechen schuldig, weil sie wussten und beabsichtigten, dass ihre Bomben abgeworfen wurden um unschuldige Zivilisten zu töten.  Ob man auch die Buchhalter der Royal Air Force als Kriegsverbrecher anklagen könnte (wie es ja heute noch die deutsche Justizbehörde mit Buchhaltern, die als Teil der KZ-Verwaltung ihre buchhalterische Tätigkeit getan haben) würde ich jetzt nicht befürworten, weil sie bei ihrer Arbeit nie die Absicht hatten unschuldige Menschen direkt oder indirekt zu töten. 

Meines Wissens hat es in den letzten 1000 Jahren in Europa nie einen Krieg gegeben in dem die kriegsführenden Personen die Absicht hatten, die Tötung der Zivilbevölkerung als ausdrückliches Ziel der kriegerischen Handlungen zu machen.  Es hat auch noch nie einen Krieg gegeben in dem man die politischen und militärischen Führer des besiegten Landes vor ein Kriegsgericht gestellt hat (noch nicht einmal nach dem ersten Weltkrieg).  Die Kriegsverbrecherprozesse sind eine Erfindung der Amerikaner, die damit ihrer Wählerschaft vorgaukeln wollten, dass der militärische Eingriff gegen die besiegte Nation berechtigt war, weil die besiegte Nation (ob Deutschland oder Japan) von einer Bande von Verbrechern geführt wurde, die ihr Volk skrupellos benutzt hat um „Verbrechen gegen die Menschheit zu begehen“.  Die Entscheidung, den Abwurf einer Atombombe zu befehlen, und sie auf eine von hunderttausenden unschuldigen Menschen bewohnte Stadt, die mit dem Kriegsgeschehen nichts zu tun hatte, und es auch nicht beeinflussen konnte, zum tödlichen Einsatz zu bringen und damit das Leben von über 200 000 Zivilisten mit einem Streich auszulöschen. Ebenso wurde allerdings bei der Beurteilung, was Kriegsverbrechen sind, die Vernichtung der Wohngebiete unschuldiger Zivilisten in Deutschland und Japan nicht berücksichtigt.

Bei einer Gedenkfeierlichkeit der Bombardierung Dresdens im Jahr 2015 hat der deutsche Präsident Gauck versucht die Dresdner zu trösten in dem er sagte:

„Wir haben ja den Krieg angefangen, wir sind an allem schuld.“

 

So einfach sollte man allerdings die Verantwortung für den Krieg nicht darstellen.  Vielleicht sollte man hier mal kurz die wirklichen Ursachen des Militärschlags gegen Polen darlegen.  Man muss alles in der korrekten Perspektive sehen:  das Nazi-Regime hatte den politischen Wunsch ein „Großdeutsches Reich” in Europa aufzubauen, also alle Deutsche unter einem Dach zu vereinigen (etwa so wie heute Russland versucht alle Russen wieder in einem “Reich” zusammen zu fassen und sich deshalb die Krim einverleibt hat). 

 

Um die Motivierung des Polenfeldzuges des NS-Regimes zu verstehen, muss man weit ausholen:

 

  1. Vor dem ersten Weltkrieg war, wie die beiliegende Karte Anhang A zeigt, Ostpreußen und der Rest des deutschen Kaiserreiches geographisch ein Gebiet.
  1. Obwohl Deutschland den Ersten Weltkrieg nicht angefangen oder verursacht hat, hat man Deutschland in den Versailler Friedensverhandlungen als Schuldigen betrachtet und im Versailler Vertrag dem Land nicht nur gewaltige “Reparationszahlungen” auferlegt sondern Deutschland auch viel Land weggenommen (z.B. alle Kolonien, das Sudetenland, Saar und Elsass- Lothringen) und an andere Länder verteilt. So wurde Deutschland auch die Stadt Danzig weggenommen und als „Mandatsgebiet” Polen unterstellt, ebenso wurde ein breiter Korridor zwischen Ostpreußen und dem Rest des Reichsgebietes geschaffen (wie auf der Karte Anhang B zu sehen) und an Polen übergeben.  Das war ein Gebiet, das Jahrhunderte lang deutsches Gebiet war und fast nur von Deutschen bewohnt wurde.  Um es salopp auszudrücken wurde Deutschland im Versailler Vertrag über den Tisch gezogen, obwohl es ja den Krieg nicht verloren hatte, sondern vorher eine von Präsident Wilson vorgeschlagenen Waffenstillstand zugestimmt hatte.  Dieser Versailler Vertrag wurde von den meisten Deutschen als Schmach und als sehr ungerecht empfunden.  Hitler´s Partei hatte es von Anfang an auf dem Programm diese Ungerechtigkeiten des Versailler Vertrages wieder rückgängig zu machen. 
  1. Zu dem politischen Zielsetzungen der NSDAP gehörte somit von Anfang an auch der Wunsch das Mandatsgebiet Danzig wieder dem Deutschen Reich einzuverleiben und wenigstens eine extraterritoriale Verbindung (Korridor) zwischen Ostpreußen und dem Rest des deutschen Reiches herzustellen, etwa so wie der Korridor, der Jahrzehnte lang zwischen West-Deutschland und West-Berlin bestand. 
  1. Die Polen waren von der Idee einem extraterritorialen Korridor unter exklusiver deutscher Kontrolle nicht begeistert und haben dem Vorschlag nicht zugestimmt. Zu dem Zeitpunkt, im März 1939, wurden sie auch noch in ihrer negativen Haltung bestärkt durch eine Garantie die sie von England und Frankreich erhielten.  Der Text der englischen Garantie lautete wie folgt:

 

“In the event of any action which clearly threatened Polish independence and which the Polish Government accordingly considered it vital to resist ……His Majesty’s Government would feel themselves bound at once to lend the Polish Government all support in their power.  They have given the Polish Government an assurance to this effect.” 

 

Der Autor David Irving schreibt dazu (Seite 194):

„dies war die erste von einer Reihe von unüberlegten Garantien, die die britische Regierung an Polen gegeben hat.“

 

  1. Mit den Garantien von England und Frankreich im Rücken war Polen noch weniger geneigt den Wünschen Deutschlands zu entsprechen. Diese Garantien haben sicher mehr dazu beigetragen einen militärischen Eingriff von deutscher Seite gegen Polen zu einem Weltkrieg ausarten zu lassen.  Bemerkenswert ist auch: 
    1. Dass weder England noch Frankreich zu dem Zeitpunkt irgendwelche ökonomischen oder politischen Interessen in Polen hatte.
    2. Dass die Garantien nur auf Deutschland abzielten, man wollte einen Grund finden Deutschland Krieg zu erklären. Als Russland 14 Tage nachdem Deutschland den Militärschlag gegen Polen begonnen hatte, in Ostpolen einmarschiert ist, wurde Russland weder von England noch von Frankreich der Krieg erklärt.
    3. Dass die Polen die auf polnischem Gebiet wohnenden Deutschen nicht gut behandelt haben, sodass es ständig viele Flüchtlinge nach Deutschland gab. 
  1. Wenn man diese Tatsachen weiß, kann man vielleicht besser verstehen, was das Hitler-Deutschland damals bewogen hat einen Militärschlag gegen Polen durchzuführen, um mit militärischer Macht das zu erreichen, was ihnen auf diplomatischem Weg nicht zugestanden wurde.  Militärische Mittel einzusetzen, um etwas zu erreichen, was man auf dem Verhandlungsweg nicht erreichen konnte, hat nicht Hitler erfunden sondern dieses Mittel wurde in der europäischen Geschichte über hunderte von Jahren immer wieder eingesetzt und selbst nach dem zweiten Weltkrieg immer wieder.  Auch Frankreich und England haben ihr koloniales Weltreich nicht nur mit der Benutzung von Samthandschuhen zusammengebaut.  Immerhin hatte Polen Danzig und den Landstrich zwischen Ostpreußen und den Rest des deutschen Reiches, in den Versailler Friedensverhandlungen zugesprochen bekommen, obwohl Polen garnicht eine der kriegsführenden Parteien im Ersten Weltkrieg gewesen war.  

    David Irving:  “The Warpath” Papermac 1985

    Wer eine objektive Berichterstattung über die Nazi-Ära in Deutschland lesen will, sollte dieses Buch des englischen Historikers David Irving lesen.

 

Bei dem Wissen dieser Tatsachen kann man auf alle Fälle nicht wie Gauck sagen,  dass Deutschland alleine am zweiten Weltkrieg schuld ist und man deshalb die gnadenlose, kriegsverbrecherische Bombardierung von Dresden nicht kritisieren sollte.  Immerhin haben England und Frankreich Deutschland den Krieg erklärt und nicht umgekehrt.  Hätten sie Deutschland nicht den Krieg erklärt, dann wäre etwa dieselbe Situation entstanden, wie nach der Übernahme der Krim von Russland in unserer Zeit, die militärischen Aktion von Deutschland hätte nicht zu einem Weltkrieg geführt.

Kriege zwischen Nationen gab es vor dem Einfall Deutschlands in Polen über tausende von Jahren in Europa, und auch wieder nach dem zweiten Weltkrieg.  Grundsätzlich ging es in diesen Kriegen  immer darum politische Ziele durch einen militärischen Einsatz zu erreichen.  Auch das koloniale Weltreich der Engländer und Franzosen wurden mit Hilfe solcher militärischen Einsätze aufgebaut.  Selbst nach dem zweiten Weltkrieg griffen die Politiker zu militärischen Mitteln, wenn die politischen Führer anderer Länder nicht das tun wollten was von ihnen gefordert wurde, so zum Beispiel hat die Nato einen militärischen Einsatz gegen Jugoslawien  durchgeführt, weil Milosevic bezüglich der Provinz Kosovo nicht das tun wollte, was von ihm von der westlichen Welt gefordert wurde.  Ähnlich verhielt es sich mit dem militärischen Eingreifen der USA in Irak, als der politische Machthaber in Irak, Hussein, nicht den Forderungen der Amerikaner entsprach.  Auch Putins Annektierung der Krim ist ähnlich zu sehen.  Er will damit die Gebiete, die historisch zu Russland gehörten wieder Russland einverleiben, er hatte also damit in etwa diesselben Motive wie Hitler.

Durch die englischen und französischen Garantien gestärkt sah sich Polen in einer Lage, in der es den deutschen Forderungen nicht nachzugeben brauchte.  Wenn es die Garantien nicht gegeben hätte, wäre es wahrscheinlich gar nicht zu einer militärischen Aktion gekommen. Vielleicht sollte man noch in diesem Zusammenhang betonen, dass während der militärischen Aktionen der Deutschen in Polen (die nur 3 Wochen dauerte) weder die Engländer noch die Franzosen den  Polen in irgendeiner Weise militärischen Beistand geleistet haben.  Selbst nach Beendigung des zweiten Weltkrieges wurden die Interessen der Polen ignoriert, im Gegenteil, man überließ ganz Polen der sowjetischen Einflussnahme und Russland annektierte das von ihm bereits 1939 besetzte Gebiet.

Nach dem Abschluss des Polenfeldzuges hat Hitler England und Frankreich Friedensangebote gemacht, hätte man diese angenommen, hätte es auch keinen zweiten Weltkrieg gegeben. Dann wäre der Polenfeldzug etwa gleich zu bewerten wie der Angriff der USA und seiner Verbündeten auf den Irak im Jahre 2003.

 

  1. SINN UND ZWECK DES ARTIKELS

Mir ist klar, dass es nicht sinnvoll ist jetzt eine öffentliche Debatte über die Kriegsverbrechen der ehemaligen Feinde Deutschlands auszulösen, insbesondere da diese Länder ja längst befreundete Nationen geworden sind.  Trotzdem meine ich, dass die unglaublichen ungerechtfertigten Entscheidungen und Taten der Engländer und Amerikaner an der unschuldigen deutschen Zivilbevölkerung durch die eindeutig gegen das Kriegsgesetz verstoßenden Bombardierungen und das Vernichten von Wohnbezirken und historischen Kulturstätten deutscher Städte, nicht unter den Teppich gekehrt werden dürfen. 

Trotz der inzwischen bestehenden Freundschaft zwischen dem jüdischen Staat Israel und der gesamten jüdischen Bevölkerung mit dem heutigen Deutschland werden den Opfern des NS-Regimes jedes Jahr mehrmals gedacht und immer wieder erwähnt, dass diese schrecklichen Taten nie vergessen werden dürfen. Genauso meine ich, dass die schrecklichen Schicksale, die die deutsche Zivilbevölkerung durch die ungerechtfertigten Bombardierungen der Städte  erlitten hat, nie vergessen werden sollten, es waren Kriegsverbrechen, die in ihrem Ausmaß, in ihrer Brutalität und Unmenschlichkeit denen der von Deutschen ausgeführten Kriegsverbrechen in keinster Weise nachstehen.  Man sollte diese tausenden und abertausenden Zivilisten, die so brutal, ungerecht und sinnlos getötet wurden genausoviel Anerkennung und Gedenken zukommen lassen wie den ermordeten Juden. Wenn man die Fernsehbilder der Bombardierung der Palästinenser durch das Militär in Israel sieht oder die Bilder der Bombardierung der Zivilbevölkerung in Syrien durch Herrn Assad, dann sieht man wie wichtig es ist immer wieder zu verkünden, dass die Tötung der unschuldigen Zivilbevölkerung durch Bomben ein Kriegsverbrechen ist, und dass jeder der daran Teil hat, verfolgt und durch ein Gerichtsverfahren bestraft werden muss.

Es ist erstaunlich, dass die Rechtfertigung der Bombardierung von den Städten und Wohngebieten in der deutschen Öffentlichkeit kaum diskutiert wurde, derweil die Tötung der Juden immer wieder angeschnitten wird.  Es würde mich garnicht wundern, wenn es nach dem Krieg, als die politische und militärische Führung der Alliierten in Deutschland ankam und die zerstörten Städte gesehen hat,  zum ersten Mal begriffen haben, dass sie dort unmenschliches angerichtet hatten und dann mit der deutschen politischen Führung in einem Geheimabkommen übereingekommen sind, dass von der deutschen Lizenzpresse  jede Diskussionen über die moralische und rechtliche Rechtfertigung der Bombardierung der Städte, Kulturdenkmäler und Zivilbevölkerung unterbunden werden muss. Als Gegenleistung dafür würden die Alliierten, insbesondere Amerika, Deutschland beim Wiederaufbau durch umfangreiche wirtschaftliche Maßnahmen helfen.  So eine Regelung wäre natürlich in der Zeit die richtige Entscheidung der deutschen Politiker gewesen.  Ohne Zweifel hatten die verantwortlichen Politiker zu der Zeit nur ein Ziel vor Augen gehabt: was kann getan werden um das Land wieder aufzubauen.

Was man nun allerdings ins Auge fassen sollte, ist eine angemessene Gedenkstätte für alle Opfer der Bombardierung der deutschen Städte zu errichten, in der dann auch im Detail das Ausmaß der Bombardierung und die ursprünglich eingesetzte Verteidigung der Städte und wie sie die Menschen in ihren Wohnungen getroffen hat.  Es sollte sich dabei nicht nur um eine Gedenkstätte, sondern auch um ein Mahnmal handeln, denn immerhin war diese Bombardierung die größte terroristische Tat der Menschheitsgeschichte:  man glaubte durch die Tötung der unschuldigen Zivilbevölkerung eine Entscheidung (die Kapitulation) hervorzurufen, gerade so wie es heute immer noch die Terroristen, die in verschiedenen Ländern ihre Bomben explodieren lassen und damit nur völlig unschuldige Menschen töten oder verletzen. Und genauso wie jener Offizier in Italien durch die Tötung unschuldiger Bürger der Stadt sich selber zum Kriegsverbrecher machte. 

Ich schlage also vor, dass man eine Stiftung gründet, die es sich zur Aufgabe macht eine angemessene Gedenkstätte für die zivilen Opfer des Bombenkrieges zu errichten.  Wenn sich noch 10 Menschen finden, die bereit sind je €30 000 für die Gründung und die Propagierung der Stiftung zu spenden, bin auch ich bereit €30 000 zu spenden weil ich meine, dass es diese unschuldigen Toten verdient haben, dass man ihnen eine Gedenkstätte errichtet.

WINDHOEK, den 6. APRIL 2016

Andreas Vaatz – vaatz@iway.na